Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

Donnerstag, 17. Januar

17. 01. 2019  •  1 Kommentar  •  Aus der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Backstage | Eine Kundin hat einen Weiterentwicklungstag mit mir gebucht. Sie wünscht sich Rhetorik und Gelassenheit für schwierige Gespräche. Ich habe ein Paket vorbereitet, das uns flexibel über den Tag bringt. Es wird Reflexion geben, Tipps, hilfreiche Fragestellungen und Übungen. Am Ende soll die Kundin ein kleines Köfferchen mit Methoden haben, auf die sie zugreifen kann.

Entwicklungstag Rhetorik: Zettel mit Themen

Einige Tipps und Kniffe gibt es in meinem nächsten Newsletter, den ich Ende Januar rausschicke.

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Koordinationen | Derzeit bewegt sich viel, ich koordiniere Termine. Das ist prima; ich freue mich immer, wenn ich Herausforderungen habe und wenn sich viel tut. Desgleichen freue ich mich übrigens auch, wenn zwischendurch Muße einkehrt und das Leben langsam wird. Alles zu seiner Zeit.

Jetzt also Bewegung. Ich werde mich in den kommenden Wochen viel in Duisburg, Dortmund, Wuppertal, Hannover und Berlin umtun. Das ist sehr fein. Mehr auf meiner Terminseite.

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Absprachen | Mit meiner Lektorin bei Suhrkamp Insel habe ich den Lektoratsfahrplan für mein Buch durchgesprochen. Ich liefere im März, im Juni und im August jeweils einen Teil. Das ist gut, so habe ich einen Zeitplan und Deadlines. Deadlines sind gut für die Motivation.

Ich bin gespannt auf ihr erstes Lektorat. Ich habe momentan kein Gefühl dafür, ob ich die Figur gut entwickle, ob ihr Handeln und ihre Gedanken nachvollziehbar sind, ob ich mir alles sinnvoll erschlossen habe.

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Hörschmerz | Je öfter ich Radiowerbung für die „außergewöhnliche Biographie des Unternehmers Dirk Rossmann“ höre, desto mehr bin ich geneigt, sie nicht zu kaufen. Wo ist der Seitenbachermann, wenn man ihn mal braucht?

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Gelesen | So kann es nicht weitergehen. Sascha Lobo schreibt über die Verantwortung des Journalismus für Populismus und rechte Politik und argumentiert, wie Redaktionen sich instrumentalisieren lassen.

Ich habe den Eindruck, dass es eine immer größere Qualitätsschere im Journalismus gibt – gibt es dazu Studien? Auf der einen Seite sind diejenigen Redaktionen, die sich um eine Fehlerkultur bemühen, die reflektieren, die sich einen zeitgemäßen, kritischen Journalismus aneigen, die in Recherche investieren, die hinter die Geschichten schauen, die hinterfragen, die  auch Gerichtsverfahren nicht scheuen, die eine Haltung haben. Auf der anderen Seite sind die Pressemitteilungsabdrucker, die Nachplapperer, die Reichweitengenerierer, die Das-haben-wir-immer-so-Macher; diejenigen, die sich der Reflexion und dem Besserwerden entziehen. Ich mache dieses Qualitätadefizit nicht unbedingt dem einzelnen Redakteur und der einzelnen Redakteurin zum Vorwurf, auch wenn es an dieser Stelle ebenfalls Reflexionsbedarf gibt; Vieles ist systemisch bedingt, die Folge einer dünnen Personaldecke, einer fehlenden redaktionellen und verlegerischen Strategie, das Ergebnis eines Ausblutens und einer mangelnden publizistischen Verantwortung.

Meiner Ansicht nach braucht es gerade starke Lokalmedien, um das demokratische Verständnis zu erhalten und antidemokratische Kräfte zu entlarven; was vor der Haustür stattfindet, ist am Erlebbarsten. Doch gerade hier fehlt schmerzhaft ein starker Journalismus; hier ist es am schwierigsten, starken Journalismus mit langen Recherchezeiten zu refinanzieren.

Gelesen | Drei todsichere Wege, um jede Innovation im Keim zu ersticken. Oh ja. Meist kommen sie alle drei im Unternehmen vor.

Mittwoch, 16. Januar

Stau | Heute habe ich eineinhalb Stunden in Staus verbracht. Nur in Staus – Zeiten, in denen das Auto sich bewegte, kamen noch dazu. Die Staus wurden noch nicht einmal in den Verkehrsnachrichten vermeldet, weil die Unfälle, Ölspuren und liegen gebliebenen Fahrzeuge entweder innerorts für Störungen gesorgt hatten oder die Staus zu kurz waren. In Summe sind viele kurze Staus aber dann doch lang. Eine Vermeldung in den Verkehrsnachrichten verschafft mir wenigstens ein bisschen Befriedigung, weil mein Leiden damit öffentliche Anerkennung findet. So aber blieb es unbemerkt. Immerhin hatte ich viel Zeit zum Nachdenken und zum Telefonieren.

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Digitalisierung | Vor einer Weile habe ich einen Text über die Denkfehler der Digitalisierung geschrieben und was wir von Zeitungsverlagen lernen können. Der Text wurde heute auf Facebook herumgereicht. Einige Leute haben unter dem Text kommentiert. Ich habe geantwortet. Es geht unter anderem um Bezahlinhalte, Kostenlosmentalität und den Anzeigenmarkt.

Im Zusammenhang mit dem Text habe ich eine Einladung erhalten, über die ich mich sehr freue. Es fügt sich, dass ich nach meinem Berlin-Besuch anlässlich der Goldenen-Blogger-Gala Ende Januar auch im Februar wieder in Berlin sein werde.

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Das Glück zum Bleiben einladen |

Ich habe mich gefragt, warum ich keine Bücher von Mirjam Pressler kenne. Nach einer kurzen Recherche ist es mir schnell klar geworden: Ich bin zu alt. Die meisten Kinder- und Jugendbücher erschienen in den 1990ern und in den 2000er-Jahren. Da war ich schon Teenager beziehungsweise erwachsen.

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Gehört | Podcast „Der Anruf“ – Folge#66. Über sinnstiftendes Arbeiten und Leben, über den Wunsch hinter dem Wunsch und vieles mehr.

Montag, 14. Januar

Murmeltier | Ich möchte nicht übertreiben, aber ich habe den gestrigen Tag komplett verschlafen. Zugegeben, nur bis 16 Uhr und ich bin zwischendurch immer mal aufgewacht. Doch dann klatschte der kalte Regen ans Fenster, und ich dachte: Mei, dann bleibst du halt noch etwas liegen. Und zack – wieder eingeschlafen. Es war großartig!

Irgendwann kam allerdings der Zeitpunkt, an dem ich ernsthaft Hunger bekam. Also, nicht nur ein bisschen Appetit, sondern wirklich Hunger. Da bin ich aufgestanden und habe gefrühstückt. Draußen gingen derweil die Straßenlaternen an.

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Ein Wimpernschlag an Wochenende | Insgesamt war das Wochenende viel zu kurz, weil ich am Samstag auf einer beruflichen Veranstaltung war, den Sonntag verschlafen habe und nun ist schon wieder Montag ist.

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Neujahrsempfang | Am Samstagabend war ich auf dem Neujahrsempfang des Round Table 115. Das war eine sehr schöne Veranstaltung mit netten Leuten und gutem Essen. Hier mal beispielhaft der Nachtisch:

Schnieker Nachtisch: Schokoküchlein mit Eissorbet aus Waldbeeren, einer Soße und einem Schokoplättchen im Eis

Ich mag das ja ab und an, so bonfortionöses Essen mit allem Zipp und Zapp und Deko und alles schick und so.

Nebenbei: Benutzt irgendjemand außer mir und meiner Familie das Wort „bonfortionös“? Oder ist das so ein Wort wie „Mankelkalinchen“? Von dem Wort „Mankelkalinchen“ dachte ich lange, es sei weithin bekannt. In Wirklichkeit gibt es nur zehn Benutzer, mit denen ich allesamt verwandt bin.

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Gelesen | Journalistinnen der Süddeutsche Zeitung haben in einer Datenrecherche den Inhalt von Kinderbüchern auf die Darstellung von Jungen und Mädchen untersucht. Das Ergebnis: Jungen erleben Abenteuer, Mädchen bleiben oft im bekannten, heimatlichen Kontext. Jungs-Abenteuer sind zudem inhaltlich vielfältig: Jungen reisen und meistern eine Vielzahl von Gefahren. Geschichten mit weiblichen Hauptfiguren sind uniformer, ihre Themen sind „Freundschaft“, „Magie“, „Ferien“ und „Tiere“.

Freitag, 11. Januar

Das Gewicht der Liebe | Ich habe den Wochenmarkt im Dorf besucht, also im Ortsteil. Vor dem Wagen für Wurstwaren lernte ich eine Frau kennen.

„Wissense, in der Ehe macht man Einiges mit“, sprach sie, während wir dort standen und in die Auslage schauten.

„Sie wollen sagen“, entgegnete ich, „dass Sie Einiges mitmachen …?“

„Ihr Mann“, schaltete sich die Wurstverkäuferin ein und deutete auf die Frau, die in der Ehe viel mitmacht, „war vor Weihnachten jede Woche zweimal hier und hat Sauerbraten gekauft. Jede Woche! Zweimal!“

„Immer hatta was zu meckern gehabt, wenn ich Sauerbraten gekocht hab‘. Da hab‘ ich ihm gesacht, ‚Werner‘, hab‘ ich gesacht, ‚deinen Sauerbraten kannze dir alleine kochen‘.“

„Und dann hat Werner sich den Sauerbraten alleine gekocht“, sagte die Wurstverkäuferin.

„Jede Woche! Zweimal! Fünf Pfund haben wir noch eingefroren. Er kann froh sein, dat meine Liebe zu ihm mehr wiegt wie fünf Pfund Sauerbraten.“

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Kaffeepause | Gestern hatte ich einen Kundentermin und war zu früh. Das kam so:

Normalerweise ist im Ruhrgebiet Stau. Also fuhr ich zeitig los. Aus nicht näher bekannten und völlig mysteriösen Gründen staute sich gestern nichts, rein gar nichts, obwohl ich zur stauigsten aller Zeiten an einem stauigen Werktag auf einer stauigen Strecke mit 100-prozentiger Stau-Baustelle fuhr. Hinzu kam, dass ich mich in der Zeit vertan hatte und der Termin eine halbe Stunde später begann, als ich ihn im Kopf hatte. Völlig unvermittelt tat sich eine leere Stunde vor mir auf.

Blick über einen Kaffeebecher in ein Café, draußen Wochenmarkt

Ich ging in ein Café, kaufte mir einen Milchkaffee, setze mich hin, schaute auf den Wochenmarkt und tat nichts. Es war rundherum großartig.

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Gartenglück | Heute habe ich zum ersten Mal seit Längerem wieder einen halben Tag zu Hause gearbeitet und dabei in den Garten geguckt. Ich habe Eichhörnchen und Rotkehlchen gesehen. Tiere beobachten macht glücklich.

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Grüner Daumen | Mein Talent für Weihnachtssterne in einem Bild:

Weihnachtsstern, arg mitngenommen, aus der Vogelperspektive

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Gelesen | Neues, sympathisches Blog entdeckt: Alltägliches und Ausgedachtes.

Gelesen | Miriam und ihr Mann dokumentieren Care-Arbeit so, wie Agenturen es tun, und erfassen in 15-Minuten-Zeiteinheiten die Arbeit, die sie täglich für die Familie, den Haushalt und die Erziehung verrichten. Das ist für sie die Grundlage, um über Gleichberechtigung und Gerechtigkeit zu sprechen.

Hat das etwas mit Liebe zu tun?

Liebe hilft einem, es zu zweit in einer Wohnung auszuhalten und nicht wegzulaufen, wenn der andere erkältet ist und komisch riecht. Liebe hilft einem kein Stück dabei, ein Gleichgewicht zu finden, in dem jeder am Ende gleich viel Freizeit hat. Es ist nämlich kein bisschen romantisch, Scheuermilch zu kaufen, die Putzfrau zu ermahnen, auch in den Ecken zu saugen, oder Kuchen fürs Sommerfest der Kita zu backen.

Gelesen und angeguckt | Aaron war vor vielen Jahren Samenspender. Er spendete ein Jahr lang zweimal pro Woche. 23 Jahre später ließ er bei einem Biotech-Unternehmen sein Erbgut testen und registrieren – wie viele andere Amerikaner. Und entdeckte seine Kinder. Er traf einige – und ihre Mütter. Mit seiner Tochter Alice und ihrer Mutter Jessica lebt er nun unter einem Dach (via Melanie).

Nur angeguckt | Alex Bartsch fotografiert Plattencover an Originalschauplätzen.

Gehört | Während unzähliger Autofahrten in den vergangenen Tagen habe ich Hjorth und Rosenfeldt: Die Opfer, die man bringt zu Ende gehört. Am Ende gab’s einen super Cliffhanger. Darüber hinaus war die Story solide und genau das Richtige fürs Autofahren: nicht zu komplex und daher auch zerstückelt gut zu verfolgen.

Weggelegt und neu gekauft | Das Buch „Löwen wecken“ von Ayelet Gunar-Goshen habe ich beiseite gelegt. Es ist okay und nicht wirklich schlecht, so richtig entfacht es meine Leidenschaft allerdings nicht; liegt vielleicht auch am wenig fröhlichen Thema. Wäre ich im Urlaub und hätte ich Zeit und Muße, würde ich es durchlesen. Doch in der knapp bemessenen Alltagslesezeit muss ein Buch mehr Freude bereiten. Ich habe heute „Dinner mit Edward“ von Isabel Vincent erworben und erhoffe mir mehr Kurzweil.

Dienstag, 8. Januar

Arbeitstag. Regen.

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Nur Verrückte | Auf der Autobahn fuhr heute ein Wagen dicht auf. Ich befand mich auf der linken Spur, es regnete, es war dunkel, es war Geschwindigkeitsbegrenzung, ich fuhr 120 oder 130 und überholte einen Lkw, der einen Lkw überholte. Als ich auf die mittlere Spur einscheren wollte und das per Blinken auch anzeigte, zog auf meiner Höhe ein Pkw von der rechten auf die mittlere Fahrbahn – dorthin, wohin ich fahren wollte. Ich blinkte also wieder kurz links und blieb auf der linken Spur. Der Wagen hinter mir, der offenbar schon frühzeitig beschleunigt hatte und der inzwischen so dicht aufgefahren war, dass ich sein Kennzeichen nicht mehr im Rückspiegel sehen konnte, musste hart abbremsen. Er hupte und lichthupte, was das Zeug hielt. Nachdem ich dann 400 Meter weiter tatsächlich eingeschert war, fuhr er noch eine Weile hupend auf meiner Höhe. Ich blickte stumpf geradeaus.

Auf der Landstraße nach der Autobahnabfahrt staute sich wie immer der Verkehr. Im Rückspiegel sah ich, dass ein Mercedes das hinter mir fahrende Auto überholte – was keinen Mehrwert hatte, weil vor uns sieben Kilometer Landstraßenstau waren. Der Stau ist dort immer, jeden Tag. Wir schoben uns in langer Schlange vor zur Kreuzung, dann über die Brücke, dann weiter über die Landstraße. Der Wagen hinter mir fuhr zur Mitte der Fahrbahn, scherte wieder ein, fuhr wieder zur Mitte der Fahrbahn – und überholte dann erst mich und dann den vor mir fahrenden Lkw. Er erhielt vom entgegenkommenden Verkehr eine Lichthupe, um danach ein paar Meter weiter vorne weitere fünf Kilometer im Stau zu stehen.

An manchen Tagen sind echt Verrückte unterwegs.

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Schulen und Digitalisierung | Gestern teilte ich einen Beitrag von Heiko, in dem er über Digitalisierung an der Schule seines Sohnes schrieb. Die Kaltmamsell schickte mir heute einen Blick in bayerische Schulen: Digitalisierung der Schulen endet mit Elektroschrott.

Auch Christian schreibt über seine Erfahrung mit Digitalisierung in Schulen. Er hat dereinst erfolglos Beratung für Digitalisierung an Schulen angeboten. Er hatte dabei etwas mit digitaler Zusammenarbeit, Klassenblog, Schulwiki und schulinternem sozialen Netzwerk im Kopf – ein Programm, in dem es um den Umgang mit digitalen Medien und mit ihren Möglichkeiten geht, um praktisches Erleben digitaler Arbeitswerkzeuge und um das Reflektieren darüber. Doch:

Fazit: mein Angebot war vollkommen an der Realität vorbei. […] Schulen suchen […] als allererstes meist Hardware die funktioniert und dann Personal, das diese Hardware betreut. Danach dann meist vorgefertigte Inhalte, die im Informatik-Unterricht abgearbeitet werden können. Für meine Vorstellungen, was heute unterrichtet werden müsste, fehlte meist schlicht sowohl die Hardware als auch nur eine Idee davon, was ich wollte.

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Gesehen | Happy – Mein Vater, die Thai-Frau und ich. Dieter ist 60, lebt als Hobby-Landwirt in einem Fachwerkhaus in der Eifel und ist einsam. Seit ein paar Jahren fährt er öfter nach Thailand, mal alleine, mal mit Freunden. Er sagt, er habe dort die beste Zeit seines Lebens. In Thailand lernt er Tukta kennen – und schreibt eine Postkarte an seine Tochter Carolin: „Meine Liebe, mir geht es gut hier, ich esse Pat Thai und trinke Chang Bier. Und ich habe eine Frau kennengelernt, die so alt ist wie du. Liebe Grüße, Papa.“ Er will Tukta heiraten. Carolin ist entsetzt: Oh Gott, ist mein Vater jetzt Sextourist? Sie macht sich auf die Reise zu ihrem Vater, im realen und im übertragenen Sinn. Und sie lernt Tukta und ihre Familie kennen. Noch bis zum 16. Januar in der ARD-Mediathek.

Montag, 7. Januar

Der Alltag beginnt wieder.

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Offizielle Entschmückung | Die Wohnung ist gründlich entweihnachtet. Der Baum ist abgetakelt. Die Nadeln sind zusammengefegt. Der Schmuck ist im Keller.

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Getriebenheit | Der Januar ist pickepackevoll. Der Februar ist pickepackevoll. Sogar ein Teil des Märzes ist schon voll. Noch ein bisschen mehr davon, und ich ziehe in eine Hütte auf einen Berg und mache nichts anderes mehr als runtergucken.

Es sind weniger die beruflichen Termine, die mich treiben. Es ist das Private, das sich auf wundersame Weise verdichtet, jedes Wochenende füllt, sogar fast jeden Abend füllt. Das muss anders werden. Ich weiß noch nicht, wie. Aber irgendwas muss anders werden.

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iTunes | Gibt es eine Möglichkeit, dass die Musik-App von iOS sich merkt, welchen Track sie zuletzt gespielt hat? Ich habe keine Funktion gefunden, und es macht mich irre. Ich höre im Auto Hörbuch via Apple Music und muss jedesmal, wenn  ich aussteige, einen Screenshot des Kapitels machen. Denn wenn ich das Handy erneut mit dem Auto verbinde, egal ob per Bluetooth oder via Kabel und Carplay, hat die App es vergessen.

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Grmpf | Ich gebe zu Protokoll, dass ich keinen Regen mehr möchte und bitte dies zu berücksichtigen. Außerdem fühle ich mich angeschnupft.

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Gelesen | Digitalpakt: Heiko beschreibt seine Erfahrungen mit der Digitalisierung in den Schulen seiner Kinder.

How Millennials Became The Burnout Generation. Ein langer Text über die Generation der heute 22- bis 38-Jährigen Millenials (wobei ich bei solchen Generationendefinitionen ja skeptisch bin), der einige gute Ideen aufbringt, auch wenn ich  manche Kausalität für fraglich halte.

Die Kohle geht, die Arbeit bleibt. Der Bergbau im Ruhrgebiet hat Ewigkeitsaufgaben geschaffen: Wasser abpumpen, Grundwasser reinigen. Die Kosten trägt die RAG-Stiftung.

Wochenende, 5. und 6. Januar

Wenig bis nix passiert.

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Haushaltselfe | Am Samstag waren Dinge im Haushalt zu tun. Den Vorrat aufräumen und putzen. Überhaupt: aufräumen. Weihnachtsdeko abhübschen und im Keller verstauen. Staubsaugen. Bad. Sowas halt.

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Kino | Der Junge muss an die frische Luft. Welch ein wundervoller Film! Das Portrait des jungen Hape Kerkeling, der mit komödiantischem Talent versucht, gegen seine eigene körperliche Unzulänglichkeit anzuleben, gegen den Tod der Großmutter und gegen die Depression und den Suizid der Mutter, ist zum Weinen und zum Lachen – und ein Loblied auf das Leben.  Ein mutig spielender Julius Weckauf, überhaupt eine tolle Besetzung bis in die letzte Rolle, dazu eine wunderbar gestaltete Kulisse des Ruhrgebiets in den 1970ern, die Thematisierung von Traumata und Identitätsfindung, eine unaufdringliche, schöne Filmmusik – ich war sehr berührt. (Besprechung bei titel thesen temperamente)

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Frische Luft | Auch ich musste an die frische Luft. Deshalb bin ich am Sonntag um den See gegangen, bei dichtem Nieselregen und hereinbrechender Dämmerung. Das ging nur mit einem Stopover im Café, anders war das nicht zu bewältigen. Aber immerhin: Ich bin draußen gewesen.

Freitag, 4. Januar

Ein trüber Tag. Zum Glück nur aufs Wetter bezogen.

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Seminare 2019 | Mit dem Journalistenzentrum Haus Busch habe ich über Seminartermine in 2019 korrespondiert. Wir bieten auch in diesem Jahr wieder den zweitägigen Klassiker an: „Crossmediales Storytelling – Inhalte medienübergreifend entwickeln“. Im Seminar erarbeiten wir, wie man gute Geschichten gestaltet – und wie Redaktionen und Kommunikationsabteilungen diese Geschichten über verschiedene Medienkanäle gut planen und konzeptionieren. Geplanter Termin: 1. und 2. Juli 2019.

Außerdem starten das Haus Busch und ich einen Versuchsballon – ein neues Seminar: „Themen intern verkaufen“. Es richtet sich an Menschen aus Kommunikationsabteilungen. Ich habe den Schwerpunkt vorgeschlagen, weil Teilnehmerinnen und Teilnehmer der vergangenen Seminare berichteten, dass sie oft Probleme haben, Zuarbeit aus dem Unternehmen zu bekommen und zu organisieren. Gleichzeitig müssen sie die Art und Weise, wie sie Themen aufbereiten und veröffentlichen wollen, intern verkaufen und verteidigen. Dazu biete ich nun ein eintägiges Seminar an. Mal schauen, wie es angenommen wird. Geplanter Termin: 25. März 2019.

Weiterbildung 2019 | Ich habe mir ein Ticket für das diesjährige Agile.Ruhr im April gekauft und freue mich auf das Barcamp. Die Wochenenden 2017 und 2018 waren jeweils super und sehr bereichernd.

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Tischdeckenschatz | Vor einiger Zeit ist die Großmutter der Torfrau gestorben. Als der Tod kam, befand sie sich bereits im gesegneten Alter von 104 oder 106 Jahren; mir entfällt die genaue Zahl immer – dreistellig wird es schnell diffus. In ihrem mehr als hundertjährigen Leben hat sie eine große Menge Tischdecken angehäuft, weiß, gewebt und mit zarten Mustern; sehr schöne Tischdecken. Die Torfrau kann die Tischdecken bei aller Zuneigung und selbst unter Aufbietung sämtlicher Tische und Tischdeckengelegenheiten nicht verwenden und verschenkt sie deshalb. Ich habe einige bekommen, dazu ein paar schöne Geschirrtücher. Ich habe die Staubränder bei 90 Grad herausgekocht und die Stoffe gebügelt. Nun sind sie wieder duftend schön. Dabei habe ich bemerkt, dass es einen spezifischen Oma-Geruch gibt; auch Erbstücke meiner Oma rochen so wie diese Tischdecken, obwohl sowohl die Omas als auch die Gegenstände sich unmöglich begegnet sein können. Es scheint eine Mischung aus Staub und Bewahrung, aus Geschichte und Zärtlichkeit zu sein, die Erbstücken anhaftet.

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Muskelkater | Wenn ich den breiten Rückenmuskel trainiere, dazu noch die Bauchmuskeln, die seitlichen und die vorne, außerdem den Schultergürtel, und wenn ich dann Muskelkater bekomme, dann fühlt es sich jedesmal anders an als Muskelkater in den Extremitäten; weniger brutal und dennoch deutlich vorhanden, ein Gefühl zwischen Herzrhythmusstörungen und Nierenleiden.

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Make Klebeband great again | Ich war im Stadtteil und habe Dinge erledigt: Dinge beim Drogisten, Dinge bei der Bank und Dinge im Supermarkt – kurzum: Dinge, die allesamt keinen Spaß machen, weil es Tätigkeiten sind, die daraus bestehen, in Schlangen anzustehen und zusammenzusuchen, was schlecht zu finden ist. Zwischen den einzelnen Stationen gab es Nieselregen bei drei Grad, an einem Tag, der niemals hell wird.

Eine Erledigung bestand darin, Klebeband zu besorgen, denn vor Weihnachten gab es einen stadtteilweiten Klebebandnotstand: In der Woche vor dem Fest war keins mehr zu kriegen, weder im Supermarkt noch im Schreibwarenhandel noch in der Drogerie noch im Billigkaufhaus, weder fünf Tage noch drei Tage noch zwei Tage vorher noch am Heiligen Abend selbst. Die nicht vorauszusehende, religiös induzierte und mutmaßlich überhand nehmende Geschenkeeinpacktradition hatte den örtlichen Einzelhandel kalt, eisebibberkalt erwischt.

Gemüsenetze | Darüber hinaus habe ich Lebensmittel eingekauft. Der Supermarkt hat dafür eine Neuerung am Start: wiederverwendbare Netze für Gemüse und Obst, das abgewogen werden muss. Die Netze kann man anstatt der dünnen Einwegplastiktüten verwenden. Ich hatte in letzter Zeit schon immer keine Tüten mehr verwendet, zumindest wenn ich nur zwei oder drei Stück einer Sorte gekauft habe. So ist es allerdings noch besser; ich habe gleich mal vier Netze erworben.

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Mit Fernweh angeguckt | 18 atemberaubende Orte, die du niemals in Europa erwartet hättest

Mit Interesse gelesen | Die Stützen des Spektakels. Oliver Fritsch über die Hinrunde von Borussia Dortmund, die Talente der Mannschaft und das Händchen des Trainers. Ich habe derzeit große Freude an diesem Team. Es macht Spaß, den Herrschaften beim Balltreten zuzusehen.

Was wir in der Schule leider nicht gelernt haben: 10 Menschen erzählen. Lernen, wie man lernt. Wirtschaftswissen. Fehlerkultur. Teamwork. Präsentieren. Programmieren.

Das Leiden an der Macht. Darüber, was Menschen in hohen Führungspositionen am meisten fehlt: authentisches Feedback.

Menschen in Machtpositionen bekommen kaum mehr authentisches Feedback. Sei es aus Angst ihrer Mitmenschen vor ihrer Macht. Sei es, weil ihre Mitmenschen glauben, in jener gottgleichen Position bräuchten sie so etwas eben gar nicht. Dauerhafte Macht bedeutet für uns zugleich immer auch dauerhafte emotionale Isolation.

Wir sind keine Gegenteile. Der Journalist Hajo Schumacher („Achim Achilles“; ehemals Chefredakteur des Magazins Max – die Älteren erinnern sich) im Interview über seinen und den Weg seiner Frau, Rollenklischees zu überwinden. Außerdem spricht er über Sinn und Wesen des Joggens, über Pulsuhren und Selbstwert, Pavianfelsen und Kompromisse.

Donnerstag, 3. Januar

Es ist schön, langsam ins Jahr ins starten. Das genieße ich.

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Ausflug | Heute war ich beim kleinen Patenmädchen. Das Partymädchen wohnt rund 150 Kilometer von mir entfernt, also 300 Kilometer Hin- und Rückweg. Ich hörte dabei Hjorth und Rosenfeldt: Die Opfer, die man bringt. Sehr passabel, ich kann gut folgen; ist wie auch die vorangegangenen Bände fluffig erzählt. Vielleicht an der ein oder anderen Stelle etwas langatmig.

Das ist nun der fünfte Band der Sebstian-Bergmann-Kirmis. Die Krimihandlung rückt seit  Beginn der Reihe stetig mehr in den Hintergrund; an ihre Stelle treten Handlungsstränge rund um die Ermittler. Muss man mögen; ich finde es ganz gut. Ich bin nun etwa auf der Hälfte. Mal schauen, wie es weitergeht.

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Brettspiele & Ehrgeiz | Beim Partymädchen puzzelten wir und gingen spazieren, aßen Pommes und spielten Mensch ärgere dich nicht.

Was glauben Sie, wem die roten Püppchen gehören, mmmmh? Naaaa?
//*guckt herausfordernd

Mensch ärgere dich nicht: Alle roten Püppchen im Häuschen

Ich habe bei Brettspielen Ehrgeiz. Deshalb ärgere ich mich bei Mensch ärgere dich nicht auch fürchterlich, wenn ich rausfliege. Ich lasse es mir selbstverständlich nicht anmerken, aber wenn ich kurz vorm Häuschen weggekickt werde, noch dazu mit diabolischem Lachen, könnte ich das Brett mit dramatischer Geste gegen die Wand schmeißen – was im Alter von 40 Jahren und im Angesicht eines sich in gleicher Situation angestrengt beherrschenden Sechsjährigen natürlich nicht statthaft ist. Innerlich könnte ich aber!

Das führt zu einer weiteren Anmerkung: Ich mag keine Gesellschaftsspiele, die allein durch den Zufall bestimmt sind. Ich mag Taktikspiele. Ich verliere gerne in Würde. Ich gehe meinetwegen mit wehenden Fahnen unter, aber bitte stolz und selbst verantwortet.

Ich unterhielt mich mit der Freundin über Ehrgeiz und sie sagte: „Als ich bei K2 Wehen hatte, ins Krankenhaus kam und dort saßen vorm Kreißsaal schon zwei andere Schwangere – da wusste ich sofort: ‚Mindestens eine von denen will ich überholen.'“

Schwester im Geiste.

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Friseur & Buch | Tags zuvor war ich beim Friseur. Es gibt nämlich eine rätselhafte Sache in meinem Leben: Das Zeug auf meinem Kopf verändert sich über Nacht. Am Abend ist noch alles in Ordnung, am nächsten Morgen stehe ich auf, gucke in den Spiegel und denke: „Ach du Scheiße, wann ist das denn passiert?“ Fusselige Spitzen, dicker Ansatz, rausgewachsene Frisur. Binnen zwölf Stunden!

Ich war also froh, als mir meine Friseurin sagte: „Wenn du willst, kannst du heute Nachmittag direkt kommen.“ Die anderen Kundinnen waren allesamt vor Weihnachten im Laden gewesen, so dass sie spontan Platz im Terminkalender hatte. Glückstag.

Ich bekam einen Milchkaffee und las in meinem Buch: Löwen wecken von Ayelet Gunar-Goshen, einer israelische Autorin. Es geht um einen Neurochirurgen, der einen illegalen Einwanderer überfährt. Der Eritreer stirbt. Der Chirurg haut ab. Die Frau des Opfers findet ihn, und die Geschichte beginnt.

Glas Wasser, Tasse Kaffee, Buch vor schwarzer Tapete

Auch hier bin ich erst auf der Hälfte. Das Buch ist ganz okay; es könnte etwas dichter und straffer erzählt sein.  Was ich angenehm finde, ist das Setting: Die Geschichte spielt in Israel, alles ist etwas anders. Das ist angenehm, weckt das Denken.

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Begeisterung | Sophie Passmann hat eine Ode an den Handballsport verfasst. Zurecht!

Das Schönste aber ist, dass Handball charakterstark macht. Das sehen die Regeln so vor, denn es gibt auf dem Feld in keiner Sekunde auch nur einen unwichtigen Spieler. Aus jeder Position lassen sich Tore machen, damit sind alle auf dem Feld erst mal gleich gefährlich und gleich wichtig. Handball ist maximalbrutale Direktdemokratie, fordert dafür aber von den Schwachen Fleiß und von den Starken Bescheidenheit. […]

Auch der erste Leserkommentar unter dem Beitrag trifft die Sache:

Ich schätze beim Handball, dass Zweikämpfe körperlich und frontal ausgetragen werden, man schaut seinem Gegenspieler in die Augen, keine cheapchots, keine Treten in die Beine, keine Grätschen von hinten und Schauspielereien gibt es auch kaum.

Ein Sport der eben Charakter voraussetzt, man darf seinem Gegenspieler weh tun, aber man muss ihm in die Augen sehen – und man sieht sich im nächsten Angriff wieder.

Amen.

Montag, 31. Dezember, und Dienstag, 1. Januar

Das neue Jahr ist da, das ist prima.

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Gefeiert | Das alte endete mit Völlegefühl. Das lag zum einen am Ort, an dem wir gefeiert haben; ein Ort, an dem der Tisch immer reichlich gedeckt ist, auch wenn das Zusammentreffen mit einem irreführenden „… ach, ich mache nur eine Kleinigkeit zu essen“ anmoderiert wird.

Silvestertisch mit Brot, Dips, Antipasti und Käse

Zum anderen lag es an den vielen Dips und Köstlichkeiten, die alle Gäste mitgebracht hatten. Außerdem gab es zwei sehr gute Nachtische, deren Ingredienzien wir angesichts der Cremigkeit und des großartigen Geschmacks nicht nachfragten. Lediglich am späteren Abend kursierten Gerüchte über eine zweistellige Anzahl Eigelb und einen Hauch Sahne; wir schenkten ihnen keine Beachtung.

Wenn wir nicht aßen, bauten wir ein Surfermobil.

Lego Creator Surfermobil mit zwei Püppchen

Um Mitternacht gab es für jeden eine Riesenwunderkerze und ein Glas Champagner. Das war großartig.

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Pläne | Das neue Jahr liegt nun vor mir, und die ersten Monate sind schon gut verplant: Voraussichtlich wird es Aufenthalte in Berlin, Hannover und Heidelberg geben, natürlich auch in Duisburg und vielleicht kommen noch weitere Orte hinzu. Ich habe bereits zahlreiche Termine; das ist gleichermaßen erfreulich wie beengend, beruhigend wie fordernd.

Setzt das Leben aus 2018 sich fort, werde ich viel unterwegs sein. Manchmal wundere ich mich, wie viel ich so erlebe. Allerdings fühlt sich das Leben meist erst nach den Erlebnissen, nicht währenddessen, ereignisreich an. Das Reisen, das Arbeiten, das Lernen, die Begegnungen – das einzelne Tun ist durchaus gemächlich, und dennoch bewegt sich in Summe viel.

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Gute Wünsche | Was auch immer 2019 Ihnen bringen mag: Ich wünsche ein wundervolles Jahr mit schönen Erlebnissen und interessanten Begegnungen, voller Gesundheit und Freude!

Mit dem neuen Jahr gibt es ein neues Format, das ich mir von Melanie und von Christian abgeschaut habe: Ein Stichwort geht jedem Thema voran. Das mag ich sehr, weil es beim Schreiben zum prägnanten Zusammenfassen anregt und beim Lesen das Überfliegen erleichtert. Danke für die Inspiration!



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