Draußen nur Kännchen
Kaffeehaus mit ♥

Dienstag, 11. Dezember

100 Kilometer über NRWs Autobahnen gefahren und nur zwei Kilometer Stau. Tagsüber! An einem Wochentag! Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das zuletzt erlebt habe. Bin freudig überrascht und tief berührt.

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Heute habe ich zum ersten Mal vom Verein Neue Deutsche Medienmacher gehört, einer Interessensvertretung für Journalisten und Journalistinnen mit Migrationshintergrund. Sie setzt sich für eine ausgewogene Berichterstattung ein, will Ansprechpartner für interkulturellen Journalismus sein und Debatten anstoßen (mehr im „Über uns“).

Die Neuen Medienmacher haben einen Helpdesk gegen Hass im Netz entwickelt. Er untergliedert sich in „Vorsorge“, „Schnelle Hilfe“ und „Nachsorge“, enthält zum Beispiel die zehn goldenen Regeln im Umgang mit Hass im Netz, erklärt die Strategien der Hassredner, und es gibt vieles Nützliche mehr.

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Heizungsableser war da. Wichtelgeschenk ist eingepackt. Ich habe den Stromzähler abgelesen. Ich bin für den Neujahrsempfang angemeldet. Ich habe fast alle Weihnachtsgeschenke.

Ich bin bereits fürs Jahresende.

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Gelesen: Dreißig Minuten, dann ist aber Schluss! Patricia schreibt zu Medienkonsum und Medienkompetenz ihrer Kinder. Darunter: 180 Kommentare und Reaktionen aus dem Netz.

Montag, 10. Dezember

Ich schrieb schon zweimal über meine Namensvetterin, über jene Frau, die den gleichen Vornamen und den gleichen Nachnamen hat wie ich – und die über die gleiche Googlemailadresse verfügt, wenn man vom Punkt zwischen Vor- und Nachnamen absieht.

Dieser fehlende Punkt (bei ihr) führt dazu, dass sie ständig meine Mailadresse (mit Punkt) angibt. Ich begleite sie seit ihren erstern Online-Einkäufen, war Teil ihrer Uni-Lerngruppe, habe mich gemeinsam mit ihr für Traineestellen beworben und war  jüngst bei ihrer Australienreise dabei, die, wie sich jetzt herausstellt, offenbar keine Reise, sondern ein längerer Aufenthalt ist. Sie fuhr dort mit Uber herum. Nachdem Uber-Pause herrschte und ich bereits einige Wochen keinen Jeff, Craig oder Mathias mehr für seine Fahrweise bewerten sollte, war sie jetzt erneut mit dem Dienst unterwegs, wieder (oder immer noch) in Australien.

Ein bisschen Sorge bereitet mir, dass sie sich immer ungesünder ernährt, je länger der Aufenthalt dauert. Heute hat sie sich für die App einer güldenen Fastfood-Kette angemeldet, um „Restaurants in deiner Nähe“ zu suchen und „exklusive Coupons“ zu bekommen.

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Ich habe Weihnachtsgeschenke besorgt, so richtig im Einzelhandel. Verrückte Sache.

Auf dem Weihnachtsmarkt sang derweil in französischer Barde vor großem Publikum – überraschenderweise gar nicht mal schlecht; so etwas erwartet man ja nicht in Zusammenhang mit glühweinschunkelnden, elchbehaarspangten Damenklübbchen. Als ich wieder daheim war, schlug ich nach, welch opulentes Ereignis es war, das die Damen anlockte:

WDR Weihnacht unterm Baum mit Lena Valaitis, Marie Wegener, Anna-Maria Zimmermann, Goldmeister, Jonathan Zelter, milou & flint, Vincent Groß, Falk & Sons, Clara’s Voices, Lichtblick, Claudio Capéo und Max im Parkhaus

Der singende Franzose war Claudio Capéo – hier mal ein Beispiellied.

Chronistenpflicht – der diesjährige Baum des Dortmunder Weihnachtsmarktes:

Weihnachtsbaum vor Büdchen

Wie jedes Jahr ist er (nach Angaben der Stadt Dortmund) der größte Weihnachtsbaum der Welt. Er besteht aus 1.700 Rotfichten, hat 48.000 Lämpchen und ein Fundament von 120 Tonnen.

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Zuvor war ich heute beim Kunden und habe einen Workshop gehalten. Es ging darum, eine interne Standortbestimmung zu einer Fragestellung vorzunehmen. Ich hatte zuvor Einzelinterviews mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführt, ihnen Fragen gestellt und sie erzählen lassen, was ihnen zum Thema wichtig ist und was sie stört. Heute habe ich die Ergebnisse ins Team zurückgespielt.

Denn nur weil die Leute mit mir reden, reden sie noch lange nicht miteinander über das Thema – das stoße ich an. In dem zweieinhalbstündigen Workshop habe ich Gemeinsamkeiten und Gegensätze aufgezeigt, die ich den Gesprächen entnommen habe. Wir haben geklärt, ob ich alles richtig verstanden habe. Dazu habe ich Fragen gestellt, und die Leute haben sich ausgetauscht.

Mit dieser Vorgehensweise habe ich gute Erfahrungen gemacht: Das Thema wird vergemeinschaftet, und schnell kommen die ersten Ideen und Lösungen auf den Tisch.

Ich fasse die Ergebnisse jetzt für meinen Auftraggeber in einem Papier zusammen und reichere die Sichtweise der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit meinen Empfehlungen an. Beides erörtern mein Auftraggeber und ich dann noch einmal in einem Zweiergespräch.

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Gelesen: Die Stadt Bochum gründet ein digitales Innovationslabor. Im Steckbrief ist von einem „Vorreiter modernen Stadtmanagements“ die Rede. Weiter heißt es:

Für 2017 gibt der Digitalisierungsindex der EU Deutschland erneut schlechte Noten (Platz 20). Es fehlt an Geschwindigkeit; Ausschreibungen behindern Innovation, der Wunsch nach Rechtssicherheit und 100%-Lösungen, Überkonformität und Perfektionismus lassen keinen Raum für Experimente. Auf der anderen Seite etabliert sich eine wachsende Start-up-Szene in Bochum, die innovative Produkte entwickelt, in den Markt bringt, aber die öff. Verwaltung und ihre Prozesse nicht mit Lösungen erreicht.

Bochum braucht einen digitalen SHIFT!

SHIFT ist die Inititative für die Digitalisierung der Stadt. Das Team bündelt Kompetenzen aus den Bereichen IT, Prozessmanagement, Marketing, Software-Design und Data-Analytics. Es agiert außerhalb der Verwaltungsstrukturen, erhält aber internen Zugang, um Dienstleistungen, Produkte und Geschäftsmodelle zu entwickeln, zu testen, anzupassen und auszurollen. Das Team bleibt frei, agil und flexibel in einer experimentellen Sonderstellung eines Start-up-PPP-Modells.

Ich bin gespannt und wünsche dem Projekt alles Gute!

Gelesen: Ein Hauch von Matriarchat. Ein Kommentar mit fünf Erkenntnissen zum Machtwechsel bei der CDU. Mit quietschendem Textmarker möchte ich diesen Satz unterstreichen:

Nach wie vor hat die Partei nicht einmal ansatzweise verstanden, dass Digitalisierung und Ökologie nicht einfach irgendwelche Themenfelder sind, die zu den schon bekannten politischen Problemen hinzukommen, sondern die Seinsformen von Politik und Demokratie im 21. Jahrhundert.

Sonntag, 9. Dezember

Die Zeit, um das Leben neben dem Leben noch aufzuschreiben, fehlt derzeit.

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Storytelling für Kliniken und Krankenhäuser: Im November war ich auf dem 41. Deutschen Krankenhaustag und habe erzählt, welche Bedeutung Geschichten in der Kommunikationsarbeit haben und wie gutes Geschichtenerzählen funktioniert. Eine Zusammenfassung ist jetzt online.

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Ich habe in meinem letzten Newsletter außerdem darüber geschrieben, was wir von Zeitungsverlagen lernen können: Die Denkfehler der Digitalisierung.

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Am Freitag habe ich das Homeoffice nach Duisburg verlagert, was gut hingehauen hat. Der neue Mann und ich, wir haben einträchtig nebeneinander gearbeitet. Ich habe sogar richtig was weggeschafft – Umsatzsteuer, Statusbericht für den Kunden, die obigen Beiträge, ein Angebot für eine Kundin, Nachbestellungen für meinen Moderationskoffer und andere kleine Bürohandgriffe. Anschließend gab’s einen Kaffee und einen Keks.

Zwei Tassen Milchkaffee mit einem Keks

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Am Freitagabend hat der Zahnarzt Geburtstag gefeiert. Er bekam einen Zahnarztkuchen geschenkt, den wir aufaßen und damit zum Erhalt seines Berufsstandes beitrugen.

Kuchen in Form eines Zahns mit einem Mundspiegel

Innendrin war Mangofüllung, das Fondant war super; Karies und Baktus haben sich gefreut.

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Am Samstag tauchte ich in einer Instastory auf, wie ich Fajitas in den Ofen schob.

Text: "dieliebenessy zaubert uns was Feines"

Es schloss sich ein Wichteln an, bei dem sich die Feiergesellschaft im  Vorfeld missverstanden hatte, ob es sich um ein Schrottwichteln oder ein richtiges Wichteln handelte, aber sowohl Schrott als auch Nicht-Schrott liegt ja im Auge des Betrachters, weshalb alles gut ausging. Ich freute mich über die erwichtelten kleinen Duschgels und die Schönheitsmaske mit Kühlgel.

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Das neue Bild im Esszimmer, von der Küche aus fotografiert. Malerin ist die Dortmunderin Sonja Neumann.

Esszimmer mit Bild, Blick aus der Küche

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Die Hör- und Lesesammlung der vergangenen Tage:

Gehört: Alles gesagt? Zeitmagazin-Chef Christoph Amend und Zeit-Online-Chef Jochen Wegener unterhalten sich fünf Stunden lang mit Herbert Grönemeyer, essen Alexanderkuchen und Pulled Ginger Chicken, trinken Rotwein, und es ist alles sehr, sehr unterhaltsam. Ich habe das ganze Dingen von vorne bis hinten gehört.

Was ich bei solchen Formaten einzig schade finde, ist, dass man, wenn man als Redaktion schon zwei Interviewer einsetzt, zwei Männer nimmt. Ich denke, eine weibliche Frageperspektive hätte das Ganze bereichert. Dann kann man auch die Stimmen besser auseinanderhalten. Sonst aber sehr großartig.

Gehört: In echt jetzt? Radiofrau Christina Scheuer trifft sich mit Twitterern. Ich habe die Folge mit Supersonic gehört und erfahren, dass er nicht nur Herr Supersonic ist, sondern auch @daskritzelt. Sapperlot.

GelesenPinkeln kostet 70 Cent. Wenn du wüsstest, wo die hinfließen … – Hintergründe zu Tank und Rast. Spannend. Habe ich so nicht gewusst.

Gelesen: Stilles Gleis. [€] Eine Recherche zum deutschen Schienenwesen, Verspätungen und dem Status Quo bei der Bahn.

Dienstag, 4. Dezember

Eine Zusammenfassung der Ereignisse zwischen Mittwoch und heute:

Für Kunden gearbeitet. Im Stau gestanden. Workshop moderiert. Nach Hannover gefahren. Im Stau gestanden. Sehr gute Cocktails getrunken (schamlose Werbung). In Hannover zum Möbelschweden gefahren (auch irgendwie Werbung). Vier Stunden dort verbracht. Auto vollgeladen.

Mit Möbelkartons vollgepackter Kofferraum eines Kombi

Möbel aufgebaut. Von vorbeischwebenden Akkuschraubern geträumt. Weiter Möbel aufgebaut. Sensationellen Milchkaffee getrunken (nochmal schamlose Werbung).

Zwei Teller mit Kuchen, zwei Kaffee, eine Apfelschorle. Im Hintergrund die Arme eines Mannes im rosa Hemd.

Bolognese gekocht. Zurück nach Dortmund gefahren. Dabei nicht im Stau gestanden. Bild fürs Esszimmer bei der Malerin abgeholt (unverschämt schamlose Werbung).* Aufgehängt. Orga-Kram erledigt. Für Kunden gearbeitet.

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Die Cocktails, die ich trank, sind mir zuvor noch nie in freier Wildbahn begegnet, sondern nur bei einem gewissen Herrn, der in seiner Freizeit gerne Cocktails mixt und Hochzeiten auf französischen Landsitzen zu feiern pflegt.

A propos „Französischer Landsitz“: Die Gruppe hat sich dazu entschieden, auch 2019 auf dem Schatöchen zu feiern, was auch immer, einen Grund suchen wir noch. Falls wir ihn nicht finden, feiern wir einfach das Leben. Vier Tage sind gebucht, im Juni fahren wir wieder hin, mit Sack und Pack und ein paar Kartons Wein und Cocktails und einer Badehose und machen die ganze Sause nochmal.

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Es gäbe noch viel zu erzählen, doch es gehört entweder nicht hierher oder mir fehlt die Lust, es aufzuschreiben. Denn ich bin ein bisschen müde und möchte gerne ins Bett gehen. Ich mache beim Kunden gerade viel Teamentwicklung, Moderation, Vermittlung, und es gibt viel Persönliches in den Gesprächen. Das ist sehr schön, aber auch fordernd. Mein Hirn braucht deshalb nachts ausreichend Zeit, um alles aufzuräumen, damit ich am nächsten Morgen wieder frisch bin.

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*Ich würde ein Foto zeigen, doch zurzeit ist es immer dunkel, wenn ich daheim bin: morgens vor der Arbeit und abends, wenn ich wiederkomme. Das Deckenlicht ist wenig hilfreich. Mache ich irgendwann, wenn ich Tageslicht habe. 

Mittwoch, 28. November

Heute fuhr ich von Duisburg aus zum Kunden, nicht aus Dortmund. Öfter mal neue Wege gehen.

Die Fahrt von Duisburg aus ging erfreulicherweise ohne Stau vonstatten. Ich ließ den amerikanischen Konzern navigieren – nicht mein Auto und das dort verbaute Multimediasystem Amundsen.

Amundsen, oder wie ich freundschaftlich sage: Roald, ist nämlich nicht auf Zack, weder auf Autobahnen noch daneben. Auf den Autobahnen bemerkt Roald den Stau erst, wenn wir schon seit zehn Minuten drinstehen. „Stockender Verkehr auf der A1!“, vermeldet er dann stolz. Ich sehe ihn vor mir, die Brust geschwellt, die Hände in die Taille gestemmt, ein Funkeln in den Augen und denke mir: Wahnsinn, Roald, du hast es drauf.

Nicht immer ist er tranig. Manchmal hat er helle Momente. Dann bemerkt er den Stau, bevor wir hineinfahren. Er ist in diesen Fällen übermäßig eifrig; er möchte alle Versäumnisse wettmachen, jetzt und hier und mit diesem Stau. Folglich ordnet er dem Auftrag „Freie Fahrt für freie Kännchen“ alles unter, sogar das Erreichen des Ziels, Hauptsache weg vom Stau, weit weg. Ein Kilometer stockender Verkehr genügt, und er initiiert ausführliche Panoramafahrten über beschauliche Landstraßen. Ich habe auf diese Weise schon jeden dritten Alleebaum zwischen Wunstorf und Bad Oeynhausen kennengelernt.

Leider berücksichtigt Roald in diesen Momenten nicht, dass auch außerhalb von Autobahnen Leute unterwegs sind und Hindernisse warten. Mit Wegen, die nicht blau sind, beschäftigt Roald sich nämlich nicht: Landstraßen sind unter seiner Würde, Stadtverkehr ohnehin. Er ist nur für Autobahnen zuständig. Deshalb leitet er mich, um einen Kilometer Autobahnstau zu vermeiden, über holprige Feldwege, in verstopfte Innenstädte und vor mit Baken gesperrte Landstraßen. Roald und ich, wir haben ein Problem miteinander.

Heute navigierte mich also der amerikanische Konzern – über Velbert, Heiligenhaus und nebelverschleierte Landstraßen ins Bergische Land, staufrei. Nimm das, Roald.

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Seit Wochen bekomme ich täglich Anrufe von einer „Deutschen Energiezentrale“. Sie will Stromtarife verkaufen, es ist jedoch unklar, woher sie meine Nummer hat. Sie behaupt, dass ich um einen Anruf gebeten hätte, sobald mein Stromtarif auslaufe. Das stimmt jedoch nicht.

Ich habe bereits bekundet, dass ich kein Interesse an Angeboten habe und keine weiteren Kontaktversuche wünsche. Die Anrufe kommen jedoch weiterhin von der Nummer +49 4321 7833993.

Nachdem ich das Klingeln in den vergangenen zwei Wochen ignoriert habe in der Hoffnung, dass die Bemühungen einfach aufhören, war ich gestern in guter, konfrontativer Stimmung, nahm den Hörer ab und sagte unumwunden, dass ich keine Anrufe erhalten möchte, jetzt nicht und in Zukunft nicht, nie mehr.

„Ich möchte keine Anrufe mehr von Ihnen erhalten.“
„Sie wissen doch gar nicht, worum es geht.“
„Ich weiß sehr gut, worum es geht. Sie rufen mich täglich an.“
„Und? Wer ist dran?“
„Ist das eine Lernstandskontrolle?“
„Sie wissen noch nicht einmal, wer Sie anruft.“
„Ich weiß sehr wohl, wer mich anruft. Und zwar täglich.“
„Sind Sie dement?“
„Löschen Sie meine Nummer aus der Datenbank.“
„Sagen Sie mir erstmal, wer Sie anruft und was ich von Ihnen will.“
„Löschen Sie meine Nummer.“
„Sind Sie der deutschen Sprache mächtig?“
„Löschen Sie meine Nummer.“
„Sie verstehen mich nicht. Sie sind dement.“
„Woher haben Sie meine Nummer?“
„Ich habe zuerst gefragt! Sind Sie der deutschen Sprache mächtig?“
„Nehmen Sie meine Nummer aus der Datenbank.“
„Wer ruft Sie denn gerade an?“

Ich habe dann aufgelegt und Anzeige bei der Bundesnetzagentur erstattet. Außerdem habe ich die Nummer über meinen Router blockiert. Ich hoffe, dass ich jetzt Ruhe habe.

Als er tatsächlich „Ich habe zuerst gefragt!“ gesagt hat, fand ich es übrigens für einen kurzen Moment witzig. Einen sehr kurzen Moment.

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Heute Nacht Hotelbett.

Hotelbett mit Nachttischlampe und Tapete: weiß mit blau-roten Drachen

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Gelesen: Der höchste Berg der Welt ist nicht der Mount Everest – zumindest, wenn man vom Erdmittelpunkt aus misst.

Montag, 26. November

26. 11. 2018  •  1 Kommentar  •  Aus der Kategorie »Tagebuchbloggen«

Bin ein paar Tage weg gewesen. Die Kurzzusammenfassung: Fahrt im IC nach Leipzig, Abendschnack, zwei Tage Barcamp, Fahrt im IC zurück nach Dortmund, Möbelzusammenbau.

Symbolbild:

Von oben auf die Füße fotografiert: Koffer, Laptoptasche, Jeans und gelbe Sneakers

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Während meiner Abwesenheit bekam ich meinen neuen Esstisch und acht Stühle geliefert.

Das liefernde Möbelhaus hatte mir iin der vergangenen Woche mitgeteilt, dass Liefertermine rar seien. Ich könne den angebotenen nehmen oder einen anderen, eine Woche später, insgesamt sehe es allerdings mau aus. Ich hatte bis dato nicht auf dem Schirm, dass wir ja schon kurz vor Weihnachten haben. Ist mir dann eingefallen.

Dieser oder jener Termin, das war gehopst wie gesprungen, denn es war beides schlecht für mich. Erfreulicherweise habe ich habe freundliche und hilfsbereite Nachbarn, die den ganzen Bumms für mich angenommen haben.

Als ich am Sonntagabend um 22 Uhr aus Leipzig heim kam, habe ich alles direkt aufgebaut – auch einen ebenfalls gelieferten, neuen Schreibtischstuhl. Der alte hatte die Segel gestrichen. Der Aufbau hat dann bis 1 Uhr gedauert. Alles in allem war es nicht kompliziert, aber ich musste doch hier und da mal gucken, dass alles richtig herum ist, außerdem habe ich direkt die ganzen Kartons zerschnitten, in denen Tischplatte, Tischbeine, Ansteckplatte und Stühle verstaut waren, sonst hätte ich heute Morgen schlechte Laune gehabt, eine Küche zu betreten, die wie explodiert ausschaut.

Tisch mit vier petrolfarbenen und zwei roten Stühlen, im Vordergrund die Kante eines Sofas

Die Kunst hängt auch bald. Ich muss mit der Malerin noch vereinbaren, wie das Bild zu mir kommt.

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In Leipzig war’s super. Ich war auf dem Agile Barcamp. Das Barcamp ist ein Konferenzformat, auf dem alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Themen, ihre Fragen und ihr Wissen mitbringen und es mit anderen teilen. So sah es dort aus:

Agile Barcamp: Im Hintergrund Stühle und Menschen, im Vordergrund eine große Kunstinstallation aus Holz

Ich habe mich hauptsächlich mit User Stories und Anforderungsmanagement, Führung mit OKR und Alternativen zur Wasserfallhierarchie  beschäftigt. Außerdem hatte ich tolle Gespräche mit Leuten, die viel über Wissensmanagament und über Methoden zur Teamentwicklung wussten.

Das Barcamp fand in der Alten Baumwollspinnerei statt. Das ist ein zehn Hektar großes Industrieareal, in dem es viele Galerien gibt, aber auch Büros und ein Café. Außerdem ist dort das Spinlab Leipzig, wo sich Startups ansiedeln. So sieht es im Spinlab aus:

Schaukel im Spinlab

Ich mag das Agile Barcamp in Leipzig sehr, ebenso wie seine Schwesterveranstaltung in Essen, das Agile Ruhr. Es sind viele Leute dort, die echt Ahnung haben. Das Barcamp ist fokussiert auf Organisationsentwicklung, interdisziplinäres Arbeiten, gute Unternehmenskultur und alles, was drumherum damit zu tun hat. Insgesamt waren mehr als 200 Leute von 72 Firmen dort. Es war ein sehr hilfreicher Austausch.

Zum Frühstück gab es übrigens einen Eimer Schokozeugs. Den haben die 200 Anwesenden aber nicht mal ansatzweise geschafft.

Schokozeugs

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Die kommenden Tage: eine Nacht in Dortmund, eine Nacht in Duisburg, zwei Nächte in Wuppertal, drei Nächte in Hannover. Danach wird es wieder ruhiger und dortmundiger. Vielleicht.

Donnerstag, 22. November

Morgen früh werde ich mit der Bahn nach Leipzig fahren. Nach den letzten unvergesslichen Bahnerlebnissen steigt die Spannung ins Unermessliche. Ich habe ein Brot gekauft und zwei Muffins aufgetaut und werde ausreichend Proviant mitnehmen.

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Der Tag der Terminverschiebungen. Solche und solche und solche.

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Kann es sein, dass es immer weniger Briefkästen gibt?

Der Briefkasten bei mir um die Ecke wird ja nun, nachdem er eine zeitlang komplett stillgelegt war, immer schon um 7 Uhr morgens gelehrt. Was nichts Anderes bedeutet, als dass man einen Tag vorher einwerfen muss und der Brief de facto mindestens zwei Tage unterwegs ist.

Heute war ich im anderen Stadtteil unterwegs, einem großen Stadtteil, mehr als 21.000 Einwohner, und habe, naiv wie ich bin, gedacht: Da wird man ja irgendwo einen Brief einwerfen können.

Sapperlot – glauben Sie, ich hätte einen Briefkasten gefunden? Wo hängen diese Dinger? Ich habe getippt: am Busbahnhof. Oder auf dem Marktplatz. Oder in der Einkaufsstraße. Oder am U-Bahnhof. Oder in der Nähe des großen Sparkassengebäudes. Oder dort, wo alle Leute parken.

Hinterher habe ich im Briefkastenfinder geguckt: Es gibt keinen Briefkasten im Zentrum des Stadtteils.

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Weitere Fragen und Antworten aus 1000:
(Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5, Teil 6, Teil 7, Teil 8, Teil 9, Teil 10)

Hast du oft Glück?

Glück im Sinne von positiver Zufall? Ich denke, dass Vieles, was wir als „Glück gehabt“ bezeichnen, das Eintreten eines unbewusst selbst herbeigeführten Ereignisses ist. Wenn wir an etwas glauben, verhalten wir uns unbewusst so, dass sich die Erwartung, die wir haben, erfüllt. Erwarten wir, eine Prüfung zu bestehen, werden wir sie bestehen, weil wir uns gut darauf vorbereiten und weil unsere innere Haltung zu einem selbstverstärkenden Prozess von Selbstbewusstsein und Konzentration wird. Die Angst zu scheitern führt hingegen zu einer höheren Wahrscheinlichkeit des Scheiterns.

Warst du in der Pubertät glücklich?

Die Pubertät war eine unglaublich schreckliche Zeit. Ich möchte das auf keinen Fall noch einmal haben.

Wann hast du zuletzt eine Nacht durchgemacht?

Das war 1997 nach dem 1.000 Konzert der Toten Hosen, und ich glaube, es war die einzige Nacht, die ich jemals durchgemacht habe. Ich habe schon immer sehr viel Wert auf Schlaf gelegt; was Schlaf angeht, bin ich extrem konserativ.

Welche Anekdote über dich hörst du noch häufig?

Wie ich in den Teich fiel, der ganze Kindergeburtstag deshalb nach Hause musste, ich mich weigerte, trockene Klamotten des Geburtstagskindes anzuziehen und die ganze Party deshalb stillstand, aber ich möchte jetzt nicht darüber reden.

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Gelesen: The 36 Questions That Lead to Love

Gelesen: How to Talk to People – Gesprächsführung, nicht nur für journalistische Interviews.

Gelesen: Milchmädchen. Eine Odenwälderin über die Sache mit der Milchkanne und dem 5G.

Mittwoch, 21. November

Tag im Homeoffice. Nachbereitung des gestrigen Tags beim Kunden.

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Morgen kommt mein November-Newsletter. Thema: Die Denkfehler der Digitalisierung am Beispiel von Zeitungsverlagen. Wer noch nicht dabei ist: Hier geht’s zur Newsletter-Anmeldung. 

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Seit Neuestem habe ich viele Buchfinken im Garten. Sie laufen zu Fünft oder Sechst über den Boden und picken Zeugs auf, sind aber sehr schreckhaft. Nervöse Hektiker, so wie die Meisen.

Die Dompfaffen sind wieder im Garten. Im Gegensatz zu den Finken und Meisen sind sie gechillt, hocken auf dem Ast, gucken in die Gegend und bleiben selbst dann sitzen, wenn die Nachbarskatze unter ihnen herläuft. In den vergangenen Wochen haben sie sich allerdings rar gemacht und waren länger weg. Vielleicht auf Urlaub. Mit dem Kegelclub in El Arenal.

Alles in allem sind viele Vögel unterwegs. Die Eichhörnchen sind auch umtriebig. Große Party im kargen Novembergarten.

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Als ich vor einem Monat am Bahnhof strandete und kein Zug nach Norden fuhr, traf ich einen Mann aus Kanada.

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Angeguckt: The World’s Greatest Gallery of Wet Owls. Für sowas liebe ich das Internet.

Gelesen: Der Mensch als Maßstab. Frank macht sich Gedanken zu einer Stadtplanung explizit für den Menschen, besonders für den radfahrenden Menschen. Seine These: Wir planen Städte nach mathematisch-logischer Vorgehensweise auf dem Reißbrett und aus der Vogelperspektive. Wollen wir lebenswerte Städte schaffen, sollten wir es stattdessen auf Augenhöhe tun. Nur so können wir Zersiedelung, die Trennung von Arbeit und Wohnen und die ständigen Staus hinter uns zu lassen. Vorbild sind Rotterdam, Groningen und auch New York City.

Gelesen: Microlino kommt, eine Elektro-Isetta für die Stadt.

Dienstag, 20. November

Den Tag beim Kunden verbracht, acht Stunden Gespräche und Konzentration. Am Abend eine Käseplatte und Rosé mit der Freundin. Noch während sie sprach, gingen die ersten Lampen in meinem Hirn aus.

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Im Januar, Februar und im April werde ich mich jeweils einen Tag lang zu Betzavta weiterbilden. Betzavta ist ein Lernansatz für Demokratie. Der Gedanke stammt aus der israelischen Friedenspädagogik. Erklärung bei der Landeszentrale für politische Bildung:

Betzavta macht demokratische Wege der Entscheidungsfindung mit ihren Chancen und Schwierigkeiten erlebbar. Er geht davon aus, dass Konflikte besonders kreativ bearbeitet werden können, wenn die beteiligten Personen anerkennen, dass das Recht auf freie Entfaltung für alle Menschen gleichermaßen gilt.

In meiner Arbeit in Organisationen, mit Teams, Gruppen und Fachbereichen spielt demokratische Entscheidungsfindung immer wieder eine Rolle. Die Fortbildung, die ich besuche, ist von der Stadt Dortmund organisiert und für Lehrerinnen und Lehrer gedacht; ich werde das dann für mich adaptieren.

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Schnee. Habe die Mütze aus der Schublade geholt und an den Start gemacht.

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GelesenDer Tag, an dem meine kleine Schwester starb. Übers Trauern und Verdrängen. 

GelesenDer Rechtsfluencer. Ein Immobilienkaufmann aus der Nähe von Frankfurt ist einer der auffälligsten rechten Meinungsmacher. Seine Ware: seine subjektive Wahrnehmung und manipulierte Informationen.

Gelesen: Hannibals Schattenarmee – ein rechtes Netzwerk in der Bundeswehr.

Montag, 19. November

Heute ein Tag im Homeoffice, keine besonderen Vorkommnisse. Ich habe ein Kundenprojekt vorbereitet, das mich in den kommenden eineinhalb Wochen beschäftigen wird.

Außerdem habe ich Kram erledigt. In der Selbstständigkeit ist immer irgendwie Kram zu erledigen, Buchhaltung und Belege und Korrespondenz, Newsletter vorbereiten, Website aktualisieren, Angeboten hinterherjagen, neue Visitenkarten nachbestellen, Weihnachtskarte mit der Grafikerin abstimmen, sowas. Einzeln für sich genommen sind das Tätigkeiten, die weder besonders aufregend noch besonders aufwändig sind. In Summe ergibt sich dann aber doch ein gewisses Arbeitsvolumen. So gehen Tage dann um.

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Am 26. März 2019 bin ich zu Gast beim Gründer- und Unternehmertreff in Herdecke. Danke für die Einladung!

Thema wird sein: „Mut zur Veränderung“. Ich werde eine Session halten; das Ganze wird ohne Beamer und Gedöns auskommen.

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Die Lindenstraße wird eingestellt. Ich bin bekennender Lindenstraßen-Fan und deshalb aus persönlichen Motiven äußerst betroffen. Ich finde die Entscheidung allerdings auch aus anderen Gründen bedauerlich, denn ich halte die Lindenstraße für eines der innovativsten Formate der Fernsehlandschaft.

Menschen, die vor ihrem inneren Auge gerade nur die musizierende Beimer-Familie in ihrem rustikalen Eiche-Wohnzimmer sehen, sind vielleicht irritiert. Deshalb möchte ich erläutern, warum ich das so sehe.

Die Lindenstraße ist ein Ort mittelmäßiger Schauspielkunst, und auch die Figuren sind eher holzschnittartig. Nichtsdestotrotz thematisiert die Sendung Fragen unserer Zeit und verpackt gesellschaftliche Themen in gefällige, aber dennoch kontroverse Geschichten. Sie lässt dabei Raum für Interpretation und zeigt trotzdem Haltung. Die Lindenstraße macht das, was ureigener Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender ist: Information, Bildung, Beratung, Kultur und Unterhaltung anbieten und einen Beitrag zur Sicherung der Meinungsvielfalt und somit zur öffentlichen Meinungsbildung leisten.

Beispiele sind die Geschichte um Jamal und die Familie Bakkoush, die die Flüchtlingsdebatte repräsentieren, oder Leben und Tod von Hans Beimer, der für Ehebruch, Patchwork-Familie und therapeutischen Drogenkonsum herhalten musste und der selbst nach seinem Tod noch ein Thema abschöpft, nämlich „Umgang mit Trauer“. Die Geschichte rund um den Koch Roland Landmann zeigt gerade auf, wo Rassismus und Rechtsnationalität beginnen und wie die Argumentationen Rechter funktionieren. Es gibt Figuren mit Behinderung, mit Migrationshintergrund, mit Transidentität, Figuren jeglichen Alters und jeglichen Ausbildungsstandes, schwule und lesbische Menschen – und wenn die Figur erst einmal eingeführt ist, nimmt sie unabhängig von diesen Merkmalen an der Handlung teil.

Darüber hinaus macht die Lindenstraße hervorragende crossmediale Arbeit. Es gibt eine breite Online-Community auf Facebook, Twitter und Instagram, Geschichten werden über verschiedene Kanäle erzählt, Inhalte werden angeteasert, diskutiert und entwickelt. Die Schauspielerinnen und Schauspieler setzen die Arbeit der Redaktion fort.

Die Lindenstraße hat außerdem immer schon Format-Experimente gemacht; die Folge zum 30. Geburtstag wurde live gesendet und man konnte das Making of in Echtzeit verfolgen.

Ich halte die Entscheidung, die Lindenstraße einzustellen, deshalb für falsch. Für das deutsche Fernsehen wäre es gut, solche Formate laufen zu lassen und zu fördern, denn die Sender könnten eine Menge daraus lernen. Thomas Knüwer sieht das genauso. 

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Gelesen: „Verletzlichkeit ist der Schlüssel zu allem“ – Interview mit der Sozialforscherin Brené Brown. Sie beschäftigt sich in ihrer Arbeit mit Scham und Verletzlichkeit und dem gesellschaftlichem Umgang damit – auch im beruflichen Kontext.

Mittlerweile stelle ich Führungskräften nur noch eine Frage: Erzählen Sie mir von einer mutigen Handlung oder Entscheidung, die Sie miterlebt oder initiiert haben, die nicht ein hohes Maß an Risiko, Unsicherheit und emotionaler Bloßstellung mit sich führte. Gibt es nicht. Es gibt keinen Mut ohne Verletzlichkeit. Jede Firma auf der ganzen Welt verlangt nach mutiger Führung und klugen Risiken, um Innovation, Kreativität und Vertrauen zu ermöglichen. All diese Dinge basieren auf Verletzlichkeit.

Mut beginnt immer damit, sich zu überwinden, und sich zu überwinden, besteht immer daraus, sich zu entblößen – vor anderen, vor sich selbst, mit Handlungen, die innere oder äußere Grenzen überwinden.

Ich habe die Erfahrung gemacht: Jeder braucht einen Menschen, der an ihn glaubt. Wer jemanden hat, und wenn es nur ein einziger Mensch ist, der sagt: „Ich weiß, du schaffst das“, der kann es hinkriegen. Wenn dieser eine Mensch fehlt, fehlt uns im Leben die Möglichkeit, der zu werden, der wir sind.

Erfolgreiche, innovative Unternehmensbosse haben drei Dinge gemeinsam: Sie erkennen und verstehen ihre eigenen Gefühle, zweitens die ihrer Angestellten, und sie sind drittens bereit, schwierige Gespräche über schwierige Themen zu führen. Etwa wenn man gemeinsam überlegt, warum ein Termin nicht eingehalten werden konnte oder warum die Kosten aus dem Ufer gelaufen sind. Wer seine Mitarbeiter misshandelt, kein Vertrauen aufbaut und nicht darüber redet, was menschlich ist, drängt Arbeitnehmer in zwei Positionen: Kampf oder Resignation. Die Produktivität geht flöten. Wir wollen den ganzen Menschen an den Arbeitsplatz zurückholen.

An dieser Aussage finde ich zwei Sachen wichtig: Ich muss meine eigenen Gefühle verstehen, um die Gefühle anderer zu verstehen. Wenn ich mich Gefühlen stellen kann, kann ich auch schwierige Herausforderungen lösen.

Gut zu arbeiten und gut zu führen, ohne Emotionen zu berücksichtigen, funktioniert meiner Ansicht nach nicht. Wir sind Menschen, weil wir wütend und traurig werden, weil wir uns freuen, weil wir Gemeinschaft und Bestätigung wünschen, weil wir Wertschätzung wollen, weil wir uns um Dinge herumwinden, weil uns Mut fehlt, weil wir Mut haben, weil wir Angst haben, weil wir bequem sind, weil wir Herausforderungen wollen, weil wir Halt und Orientierung brauchen, weil wir uns eine Perspektive wünschen. Wir wollen vertrauen, und wenn wir vertrauen, uns selbst und anderen, sind wir erfolgreich.

Gefühle sind für sich genommen niemals falsch, auch negative Gefühle nicht. Neid ist beispielsweise ein unschönes Gefühl und giftig für die Atmosphäre, aber er ist da, und es ist wichtig, das Gefühl erstmal anzuerkennen. Gleichzeitig haben die Zuschreibungen, die mit dem Gefühl verbunden sind, unterschiedliche Gründe und Perspektiven.

In Zusammenhang mit dem Thema „Gefühle“ und „Führung“ bin ich übrigens der Meinung, dass introvertierte Menschen gute Führungspersönlichkeiten sind. Es fällt ihnen leichter, Vertrauen aufzubauen und zu pflegen, weil sie ständig mit ihrer eigenen Schwäche und den eigenen Gefühlen dazu konfrontiert sind. Zudem können sie sich oftmals schlecht verstellen und sind daher authentisch; viele haben einen feinen Sinn für Stimmungen. Introvertierte Führungspersömlichkeiten brauchen allerdings eine Umgebung, die jenseits von Produktivität und Formalismus Raum für den Menschen lässt.

Entweder die Unternehmen finden einen Weg, die Arbeit wieder zu vermenschlichen, oder sie werden keinen Erfolg haben.

Übrigens entspricht auch das hier meiner Erfahrung:

Wenn man glaubt, bei jemandem gar keine Scham entdecken zu können und er sich vordergründig so benimmt, als ob er sich für den Größten hält, dann handelt es sich oft um jemanden, der sich ganz klein findet und von Scham getrieben wird.

Gelesen: Außerdem habe ich die vergangenen Tage beim Buddenbohm nachgelesen. Die kann ich jetzt nicht alle verlinken, auch wenn ich es müsste, denn ich habe mich bei jedem Beitrag gut unterhalten gefühlt. Zum Beispiel, als es um gewaltfreie Sprache ging, die aggressiv macht, oder um Liebe in und zu Büchern. Auch ich finde, dass Liebe das Hauptsujet von Büchern sein sollte. Es darf allerdings nicht zu platt sein, die Sprache muss stimmen; ich bin da ganz bei Maximilian.

Angeguckt: Kurzer Beitrag über die Fußballschiedsrichterin Selina Menzel. Beeindruckende Körpersprache.

Gelesen: Frau Novemberregen im Dialog mit ihrem Vater. Ich habe in meiner Küche gesessen und laut gelacht.



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